+
Studi-Kolumne

Was ist Zeit?

Wenn niemand fragt, ist es allen klar. Doch erklären kann es keineR.
Armbanduhr Illustration auf lachsfarbenen Hintergrund
Zeitspirale auf lachsfarbenen Hintergrund

Wir können sie nicht festhalten, nicht verlangsamen, nicht einfrieren. Schon wieder geht ein weiteres Jahr zu Ende – und ein neues beginnt. Wie immer wird auch das wie im Fluge vergehen, wenngleich einzelne Momente sich wie eine Ewigkeit anfühlen. Doch was ist Zeit eigentlich? Wie nehmen wir sie wahr und wird sie jemals zu Ende gehen?

Definition von Zeit

Der Begriff "Zeit" taucht in vielen Zusammenhängen unseres Alltags auf. Offensichtlich ist die Zeit jedoch kein Objekt, keine Substanz, die wir sehen, anfassen oder schmecken können. Zugleich ist sie mehr als nur eine Maßeinheit, eine Dimension oder ein Konzept. Wir können sie als kostbares Geschenk betrachten, sie zählen und anzeigen, verschlafen, verstreichen lassen oder sogar totschlagen. Die Zeit hat zahlreiche Aspekte und scheint für unterschiedliche Personen in unterschiedlichen Kontexten ganz unterschiedliche Bedeutungen zu haben.

Eine äußerst kurze und auf den ersten Blick plumpe Definition von Zeit stammt ausgerechnet von Albert Einstein, der – wie später noch erwähnt wird – das Verständnis von Zeit komplett umkrempelte. Für ihn ist „Zeit das, was man an der Uhr abliest“. Eine ebenfalls prägnante Variante, die unter anderem von dem Physiker John Wheeler vertreten wird, lautet sinngemäß: Zeit ist das, was verhindert, dass alles gleichzeitig passiert.

Googelt man die Frage „Was ist Zeit?“, so wird sie als „das unbestimmte Fortschreiten von Existenz und Ereignissen in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft als Ganzes betrachtet“, beschrieben. Die umfassendste Gesamtdefinition liefert Wikipedia, doch auch sie vermag es nicht, die Frage vollumfänglich zu beantworten.

„Zeit ist das, was man an der Uhr abliest.“ – Albert Einstein

Vergangenheit, Gegenwart & Zukunft

Alternativ kann Zeit auch als Gesamtheit dreier separater Elemente betrachtet werden: Die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft.

Dabei ist die Vergangenheit die Menge aller zeitlich zurückliegenden Ereignisse. Wie weit ein Ereignis zurückliegen muss, um tatsächlich von der Vergangenheit zu sprechen, ist Ansichtssache. Fest steht, dass die Ereignisse vor etwas anderem stattgefunden haben und – von Science-Fiction Filmen mit Zeitreisen einmal abgesehen – unveränderlich sind.

Die Gegenwart ist ein ebenfalls unbestimmtes Zeitintervall zwischen vergangener Zeit und kommender, künftiger Zeit. Sie ist die Zeit, die mit Geschehnissen verbunden ist, die direkt und zum allerersten Mal wahrgenommen werden – also das Hier und Jetzt.

Als Zukunft wird demnach die Zeitspanne nach dem gegenwärtigen Moment bezeichnet. Auch sie ist nicht genau bestimmt.

Der Zeitpfeil

In der Physik aufgestellte Gleichungen funktionieren genauso, egal ob sich die Zeit vorwärts in die Zukunft (positive Zeit) oder rückwärts in die Vergangenheit (negative Zeit) bewegt. Dem vorherigen Abschnitt nach scheint Zeit in der realen Welt jedoch eine Richtung zu haben: Die Vergangenheit liegt hinten, ist in Stein gemeißelt und unveränderlich, wohingegen die Zukunft vorne liegt und sich nicht gerade zuverlässig festlegen lässt. Die Tatsache, dass der Zeit eine Richtung innewohnt und sie eine Unterscheidung zwischen Vergangenheit und Zukunft möglich macht, wird als Zeitpfeil bezeichnet. Ein einfaches Beispiel: Ein Ei zu nehmen und daraus ein leckeres Omelett zuzubereiten, ist für die meisten von uns recht einfach. Doch wie steht es mit den Chancen, aus einem Omelett ein rohes Ei zu zaubern? Vermutlich nicht sonderlich gut. Ein solcher Vorgang steht allerdings nicht prinzipiell im Widerspruch zu den Naturgesetzen. Er ist lediglich extrem unwahrscheinlich. Die Frage, warum die Zeit unumkehrbar ist, ist eine der größten ungelösten Fragen der Wissenschaft.

Die Raumzeit

Bis ins Jahr 1907, als Albert Einstein die mit Zeit und Raum in Verbindung stehenden physikalischen Konzepte neu interpretierte, wurde die Zeit außerdem als überall im Universum gleich angesehen. Alle Beobachter maßen bis dato für jedes Ereignis das gleiche Zeitintervall. Welche Überlegungen Einstein in der speziellen und allgemeinen Relativitätstheorie anstellte, was diese an dem damals vorherrschenden Verständnis von Zeit änderten und wie sie sich auf unser alltägliches Leben auswirken, zeigt Daniel Engels Beitrag über „Die Raumzeit in unserer Freizeit“ in der FORMAT.

Die innere Uhr & Zeitwahrnehmung

Der Wechsel von Tag und Nacht sowie das Ticken einer Uhr sind Rhythmen für uns, um einordnen zu können, wie viel Zeit vergangen ist. Doch was würde passieren, wenn wir uns davon isolieren? Wenn es weder hell, noch dunkel werden würde? Spielt die (Uhr-)Zeit dann noch eine Rolle? Oder funktionieren wir auch ohne sie?

Ein bekanntes Experiment in den 1960er Jahren ging diesen Fragen nach. Hierfür begaben sich Freiwillige für mehrere Wochen in einen geschlossenen, extra für das Experiment konzipierten Bunker. Dort war alles vorhanden, bis auf zwei Dinge: Tageslicht und die Möglichkeit, die Uhrzeit festzustellen.

Nach einer Weile stellte sich bei den Probanden ein konstanter Wach-Schlaf-Rhytmus – der sogenannte Circadiane Rhythmus – von ungefähr 25 Stunden ein. Die biologische innere Uhr, die auch ohne Tageslicht läuft, war damit bestätigt und mit der Chronologie eine weitere Wissenschaft geboren.

Das menschliche Gehirn ist also darauf eingerichtet, die Zeit zu verfolgen. Doch warum vergeht sie manchmal wie im Flug, während sie ein andermal stillzustehen scheint?

Grundsätzlich gilt: Wenn sich die Zeit zu beschleunigen scheint, unterscheidet das Gehirn mehr Ereignisse innerhalb eines Intervalls. So kommt uns eine Woche Action-Urlaub viel kürzer vor, als eine gewöhnliche Woche im Alltag, obwohl beide 7 Tage, genau 168 Stunden beziehungsweise 10.080 Minuten oder 604.800 Sekunden haben. Denken wir allerdings zu einem späteren Zeitpunkt an unseren Urlaub zurück, so erscheint er uns wiederum viel länger als die vergleichsweise ereignislose Arbeitswoche. Dies liegt daran, dass sich über den Urlaub hinweg mehr Erinnerungen gebildet haben.

Wir Menschen verfügen – wie die meisten Lebewesen – über eine innere Uhr, die die Zeit auch unabhängig von äußeren Einflüssen verfolgt.

Der Anfang & das Ende der Zeit

Mit den Jahren vergeht auch die Zeit. Für uns beginnt jedes Jahr am 1. Januar und endet meistens mit einem Feuerwerk am 31. Dezember. Da stellt sich die Frage: Hat auch die Zeit an sich einen Anfang? Begann sie mit dem Urknall oder gab es eine Zeit vor der Zeit?

In seinem Beitrag in der FORMAT beschäftigt sich Julian Graeve in diesem Zusammenhang mit der Urknalltheorie. Dort erfährst du auch, warum seit dem Urknall gilt: Ohne Raum keine Zeit und ohne Zeit kein Raum!

Nun ist es an der Zeit, sich die Zeit zu nehmen, weiter über die Zeit nachzudenken und in der Zwischenzeit vielleicht eine Mahlzeit zu genießen, um von Zeit zu Zeit die schwierigen Zeiten in der heutigen Zeit einfach für eine zeitlang Zeit sein zu lassen.

Ich bin Katharina Payr

Katha

Name: Katharina Payr

Alter: 24

Wohnort: Kernen im Remstal

Beruf: Studentin

Hauptcharakterzug: Scharfsinnig

Lieblingsschrift: Inter

Lieblingsfarbe: Grün