Cradle to Cradle – Von der Wiege zur Wiege

Wie wir mehr als nachhaltig leben und designen können.
Illustration eines großen blühenden Kirschbaumes auf pastel-rosa Hintergrund
Illustration einer gehenden Person, die grün bewachsene Fußabdrücke hinterlässt

Nachhaltig bedeutet weniger schlecht? Das ist dem Cradle to Cradle Designprinzip nicht genug. Vom Engagement für eine klimapositive Welt ohne Ressourcenverschwendung und was wir als DesignerInnen davon lernen und umsetzen können.

Take - make - waste. Unter diesem Motto steht unsere heutige Verbraucherkultur und
Konsumgesellschaft. From Cradle to Grave – von der Wiege zur Bahre werden Produkte für das Ende ihrer Nutzungszeit gestaltet. Doch was wäre, wenn es gar keinen Müll mehr gäbe? Unendliche Nachhaltigkeit von Produkten und ein Lebensstandard, der nicht mehr an Verzicht und ökologische Gewissensbisse gebunden ist?

Und diese Vision ist Realität. Anstatt „weniger schlechte“ Produkte zu entwickeln, sind Güter des Cradle to Cradle Innovations- und Qualitätskonzeptes mehr als das: Konsequent durchdachte Nutzungsszenarien lösen komplexe Umweltprobleme für eine Welt ohne Müll und Ressourcenverschwendung – zu 100% nachhaltige Produkte. Und um dieses Versprechen zu garantieren, nutzt das Designprinzip folgende tragenden Säulen zur Umsetzung:

1. Die Kreislaufwirtschaft

Das Kreislaufprinzip besagt, dass bei der Verwendung von Ressourcen kein Abfall mehr entsteht. Dies bedeutet, dass Materialien entweder potentiell unendlich wiederverwendbar sind oder aber als unbedenkliche Stoffe der Natur wieder zugeführt werden können. Mehr als das – sie sollen als Nährstoffe für die Natur dienen und somit mehr zurückgeben. Das Gegenteil von Müll also, nämlich Kompost. Für technische Güter gilt hier, dass sie nach ihrer Nutzungszeit in sortenreine Ausgangsstoffe zerlegt und in einem neuen Kreislauf wiederverwertet werden können. Dies impliziert die Optimierung der Ressourcen bereits im Design- und Herstellungsprozess für die nächste Nutzungsphase mit gleicher stofflicher Güte. Ergebnis sind Zero-Waste Produkte – und Produkte mit höherer Qualität.

2. Die Nutzung erneuerbarer Energien

Bei der Herstellung von Cradle to Cradle Produkten wird auf die Nutzung emissionsfreier Energien gesetzt. Der Einsatz von Sonnenenergie, Wind- und Wasserkraft, sowie die Verwendung von Biomasse garantieren im Konstruktionsprozess eine einhundertprozentige Klimaneutralität.

3. Das verantwortungsvolle Wassermanagement

Nährstoffe bleiben Nährstoffe. Was aus der Natur genommen wird, soll auch unbeschadet und unschädlich zu ihr zurückgeführt werden. Dieses Prinzip gilt auch für den Einsatz von Wasser in Herstellungsprozessen. Wasser als eine der wertvollsten Lebensressourcen wird nicht ausgebeutet – und vollständig gesund der Natur zurückgegeben.

4. Die Materialgesundheit eingesetzter Stoffe

Die Schadstofffreiheit eingesetzter Materialien bezieht sich nicht nur auf Textilien, Kosmetik und vom Menschen direkt konsumierte Produkte. Alle Güter, die bei Cradle to Cradle eingesetzt werden, sind absolut unbedenklich im täglichen Gebrauch. So ist es nicht nur wichtig, in Gebäuden gesunde Materialien zu verwenden, die andernfalls durch die Atemluft oder Hautkontakt bedenklich für den Menschen sein könnten, sondern Gebäude, Räume, Arbeitsplätze so zu gestalten, dass eine gesunde, Krankheiten reduzierende und auf Dauer lebensverlängernde Umgebung geschaffen wird.

5. Die Einhaltung sozialer Standards

Bei allen genannten Punkten dürfen für ein gänzlich nachhaltiges Produkt auch die fairen Arbeitsbedingungen nicht fehlen. Diese werden in jeder einzelnen Station in der Produktion eines Cradle to Cradle Produktes eingehalten und regelmäßig geprüft. So kann garantiert werden, dass jede einzelne Komponente des Endguts mit hundertprozentigen sozialen Standards und fairen Arbeitsbedingungen entstanden ist.

Und so sieht Cradle to Cradle in der Praxis aus

Die Materialidentität

Verpackungen, Textilien, Verbrauchsgüter und Kosmetik: Mit all diesen Dingen sind wir tagtäglich in Kontakt. All sie haben einen starken Einfluss auf unser persönliches Wohlbefinden, unsere Gesundheit und unsere Umwelt. Während die Firmen unserer konsumierten Produkte daran arbeiten, diese „weniger schlecht" zu gestalten, setzt Cradle to Cradle im Designprozess an, um die Güter von Anfang an gesund und umweltverträglich zu designen. Dadurch entstehen Kosmetikprodukte, die absolut unbedenklich für den Kontakt mit der Haut und für die Sicherheit der Nachnutzung optimiert sind. Dazu gehören nicht nur biologisch abbaubare und der Natur als Nährstoff – nicht als unbedenklicher Abfall – zuführbare Verpackungen, sondern auch umweltunbedenklich hergestellte und wiederverwendbare Textilien, die nach ihrer Nutzung tatsächlich dem Kreislauf wieder zugeführt werden.

Chemistry of Life

Bei der Erschaffung einer nachhaltigeren Lebensweise darf natürlich auch die Industrie nicht fehlen. Auch hier gibt es diverse Ansätze, die Branche nicht nur umweltfreundlicher, sondern umweltfördernd zu gestalten. Autos und Züge als Materialbanken, deren verwendete Stoffe gesund für Mensch und Umwelt sind, integrierte Feinstaubbindung und emissionsfreier Antrieb. Chemie – eingesetzt in fast allen Produkten – auf molekularer und modularer Ebene optimiert für wertvolleres Leben. Inhaltsstoffe, die von Beginn an für ihren Einsatzzweck ausgewählt und hierfür positiv definiert wurden. Und selbstverständlich: Kein Mikroplastik mehr.

Rethink Consumption

Unser Konsumverhalten fokussiert sich stark auf Wegwerfartikel und das ständige Austauschen vorhandener Produkte. Der Wunsch nach dem besten und aktuellsten Produkt ist etwas, das nachhaltig gedachtem Konsum gegenübersteht. Bei Cradle to Cradle ist Nachhaltigkeit jedoch nicht an Verzicht gebunden. Produkte im biologischen Kreislauf werden direkt für einen kurzen Nutzungszyklus designt, jedoch um am Ende kompostierbar der Erde etwas zurückzugeben, anstatt ihre Ressourcen auszubeuten. Produkte im technologischen Kreislauf unterstehen einem Servicegedanken. So gibt es auf Spül- und Waschmaschinen, Drucker und Backöfen beispielsweise ein Abosystem, welches das Produkt nach einer gewissen Nutzungsdauer zurücknimmt und ein Neues zur Verfügung stellt. Die Einzelteile des alten Produktes werden auf ihre Qualität überprüft und in neuen Produkten wieder eingesetzt. Dieses Prinzip der Wiederaufbereitung garantiert eine Qualitätssicherung über viele Jahrzehnte und stellt regelmäßig ein Produkt auf dem neuesten technologischen Stand zur Verfügung.

Kleiner Leitfaden für DesignerInnen: So denke ich mein Produkt Cradle to Cradle

Nicht nur Produkte, auch Prozesse und Services können nachhaltiger gestaltet werden. Eine kleine Denkschule, die ihr bei eurem nächsten Projekt mit einbeziehen könnt.

Wenn ein Produkt nicht

  • reduziert
  • repariert
  • recycled
  • wiederverwendet
  • wiederaufbereitet
  • weiterverkauft
  • oder kompostiert werden kann,

    sollte es

  • entfernt
  • verboten oder
  • redesigned werden!

Jetzt seid ihr gefragt: Als DesignerIn gleich welcher Fachrichtung ist es euch möglich, Produkte,
Konzepte und Technologien zu entwickeln, die bereits im Designprozess die Kreislauffähigkeit der Ressourcen andenken und mit ihrer Innovation zu einer nachhaltigeren und gesünderen Welt beitragen. Eure Projekte realisieren, könnt ihr gemeinsam mit der Studientischen Initiative Holy Shit.

Adressen für Cradle to Cradle als HfGlerIn:

Hier findet ihr alle Cradle to Cradle Produkte, die es momentan auf dem Markt gibt:
Und hier gibt es nähere Informationen dazu, wie Cradle to Cradle Produkte gedacht werden:

Ich bin Zita Kuhn

Zita Kuhn

Name: Zita Kuhn

Alter: 23

Wohnort: Schwäbisch Gmünd

Beruf: Studentin Kommunikationsgestaltung

Hauptcharakterzug: enthusiastisch

Lieblingsschrift: DIN 2014

Lieblingsfarbe: #005f69

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She's so Ulm!

von Julia Peglow